Warum die Pianistin und Sängerin Francesca Tandoi jeden vom Stuhl haut

Warum die Pianistin und Sängerin Francesca Tandoi jeden vom Stuhl haut 2560 2560 Verena Liebeck
#kunst­i­mal­tenwall

Warum die Pianistin und Sängerin Francesca Tandoi jeden vom Stuhl haut

02.10.2026

Am 22. Oktober 2026 spielt die Ausnah­me­pia­nistin und Sängerin ihr zweites Konzert im Nica Jazz Club: Akute Gefahr: Grenzenlose Begeisterung

Man muss Francesca Tandoi eigentlich live erleben, um zu verstehen, warum diese Frau ihr Publikum regel­mäßig in ihren Bann zieht. Denn natürlich kann man schreiben, dass sie eine fantas­tische Pianistin ist, dass sie swingt, dass sie eine unglaub­liche Technik besitzt. Aber dann sitzt sie am Flügel – und plötzlich flitzen ihre Finger in einem Tempo über die Tasten, bei dem die Augen kaum noch hinter­her­kommen. Mühelos, spiele­risch, mit einer Energie, die sich innerhalb weniger Minuten auf den ganzen Raum überträgt.

Genau das passierte auch bei ihrem ersten Konzert im Nica Jazz Club im Januar 2025. Francesca Tandoi kam, setzte sich ans Klavier – und begeis­terte von der ersten Minute an. Ein Abend, nach dem ziemlich schnell klar war: Diese Künst­lerin muss wieder­kommen. Jetzt ist es endlich soweit.

Dabei ist die Italie­nerin so viel mehr als eine brillante Pianistin. Sie singt, kompo­niert, arran­giert und leitet ihr eigenes Trio. Vor allem aber besitzt sie etwas, das sich nicht erlernen lässt: eine enorme Bühnen­präsenz. Bei ihr treffen technische Perfektion und unbändige Spiel­freude aufein­ander. Da wird nicht ehrfürchtig vorge­führt, was auf 88 Tasten alles möglich ist. Tandoi spielt mit der Musik, treibt sie voran, lässt sie los, fängt sie wieder ein – und nimmt das Publikum dabei mit.

Vielleicht hat das auch mit einem ihrer großen frühen Vorbilder zu tun. Mit zwölf Jahren begann Francesca Tandoi Klavier zu spielen und war zunächst stark von Oscar Peterson beein­flusst. Dessen virtuoser, swingender und zugleich ungemein zugäng­licher Stil ist eine musika­lische Verwandt­schaft, die man bei Tandoi bis heute spüren kann.

2009 zog sie in die Nieder­lande und studierte am König­lichen Konser­va­torium in Den Haag und anschließend am Codarts Conser­vatory in Rotterdam. Von dort aus begann eine inter­na­tionale Karriere, die sie inzwi­schen rund um die Welt geführt hat: in Dizzy’s Jazz Club im New Yorker Lincoln Center, ins Bimhuis in Amsterdam, ins Konzerthaus Stockholm, in die Hakuju Hall in Tokio und auf große Festivals wie North Sea Jazz, Umbria Jazz und Cork Jazz.

Auch die Liste ihrer musika­li­schen Wegge­fährten zeigt, in welcher Liga Tandoi inzwi­schen spielt. Mit der Saxophon­le­gende Scott Hamilton ist sie aufge­treten und Alben aufge­nommen, sie arbeitete ebenso mit Musikern wie Lewis Nash und Lee Pearson. Im „Piano Conclave“ spielte sie neben Pianis­tinnen und Pianisten wie Dado Moroni, Rita Marco­tulli, Danny Grissett und Benito Gonzalez. Mit Darius Brubeck trat sie im Duo auf, ebenso mit Stefano Bollani.

Die aufre­gendste Entde­ckung des italie­ni­schen Jazz

Doch bei all diesen Namen ist das vielleicht Spannendste an Francesca Tandoi: Sie klingt nicht nach einer Musikerin, die beweisen muss, was sie kann. Sie hat einfach Spaß daran, es zu tun.

Und dann ist da noch ihre Stimme. Warm, lässig und elegant bildet sie einen reizvollen Kontrast zu dem pianis­ti­schen Feuerwerk. Piano­le­gende Monty Alexander brachte diese Mischung auf den Punkt: Tandoi sei eine Pianistin mit „exqui­sitem Geschmack und Swing“, ihre Stimme kulti­viert, ihre Kompo­si­tionen einprägsam und ihre Arran­ge­ments anspruchsvoll. Das nieder­län­dische Jazz Flits Magazine fand für ihr Klavier­spiel ein noch schöneres Bild: Es wirke, „als würde sie über die Tasten fliegen“. Und genau das tut sie.

Seit 2014 hat Francesca Tandoi zahlreiche Alben unter eigenem Namen veröf­fent­licht und ist auf mehr als 20 weiteren Aufnahmen zu hören. Ihr Album Wind Dance schaffte es in die Top Ten des japani­schen Magazins Jazz Life. Doch so beein­dru­ckend ihre Disko­grafie und ihre inter­na­tionale Karriere sind: Wer wissen will, was Francesca Tandoi wirklich besonders macht, sollte sie nicht nur hören.

Man sollte ihr dabei zusehen.

Wie ihre Hände über die Tastatur jagen. Wie aus höchster Konzen­tration plötzlich ein Lächeln wird. Wie sie mit ihren Mitmu­sikern kommu­ni­ziert. Und wie ein ganzer Club innerhalb kürzester Zeit von dieser unbän­digen Energie erfasst wird.

Wer beim ersten Nica-Konzert dabei war, weiß, was gemeint ist. Wer es verpasst hat, bekommt jetzt eine zweite Chance. Und die sollte man sich nicht entgehen lassen.

Hörprobe:

https://www.youtube.com/watch?v=KIFzl5_hYY8

Infos und Tickets:

https://nica-jazzclub.de/de/events/francesca-tandoi-426