Designer Amah Ayivi macht aus Müll individuelle Mode-Schätze

Designer Amah Ayivi macht aus Müll individuelle Mode-Schätze 1280 1920 Verena Liebeck
#behind­the­scenes

Designer Amah Ayivi macht aus Müll individuelle Mode-Schätze

22. Februar 2022

In Frank­reich ist Amah Ayivi mit seiner Marke Marché Noir Lomé Paris sehr bekannt. Jetzt besuchte er mit seiner Upcycling-Kollektion den Pop-Up Store La Tribune Noire im Alten Wall.

Woran erkennt man einen coolen Dude? Er versucht nicht cool zu sein, sondern ist es einfach und ruht in sich selbst. Genauso ist es bei Amah Ayivi, in Togo geboren und seit seinem 12. Lebensjahr in Paris lebend. Auf Einladung von André Cramer und seinem Pop-up Shop La Tribune Noire im Alten Wall kam der charis­ma­tische Designer das erste Mal nach Hamburg, um seine Upcycling-Kollektion Marché Noir Lomé Paris zu präsentieren.

Amah hat lange, bevor es en vogue wurde, mit Secondhand Mode gearbeitet, um durch Upcycling eigene indivi­duelle Mode-Pieces zu kreieren. Dafür sucht er auf Märkten in seinem Heimatland Togo nach Stücken, die ursprünglich in Europa in Spenden­tonnen geworfen wurden, um am Ende auf afrika­ni­schen Märkten zu landen und verkauft zu werden. Togo gehört zu den wenigen afrika­ni­schen Ländern, in die Kleider­spenden noch einge­führt werden. 2016 war es laut „Obser­vatory of Economic Complexity“ Kleidung im Wert von 54 Mio. Dollar. Amah Ayivi beschäftigt Helfer, die genau wissen, wonach der Designer für seine Upcycling-Mode auf den Märkten von Togos Haupt­stadt Lomé sucht. Anschließend bringt er sie im Look seiner Marke Marché Noir Lomé Paris zurück nach Europa. „Ich mache aus Müll Schätze“, kommen­tiert er seinen Modeansatz, der soziale Verant­wortung ganz selbst­ver­ständlich ins Business integriert hat.

Amah Ayivi und seine Marke Marché Noir Lomé Paris sind in Frank­reich sehr bekannt.

Mode-Melange aus afrika­ni­schen und europäi­schen Einflüssen

Bisher konnte man seine Stücke in Pop-up Shops und online finden. In Deutschland wird er exklusiv von La Tribune Noire verkauft – auch im Pop-up Store im Alten Wall. In Zukunft will er aber im schönen Marais in Paris einen festen kleinen Laden mit Büro eröffnen. Denn Amah Ayivi hat längst einen Nerv getroffen. Immer mehr Menschen stellen die Fast Fashion Industrie in Frage. „Ich mag keine Mode-Saison und keine festen Kollek­tionen“, erzählt der hochge­wachsene Designer mit den auffäl­ligen Ringen. Er produ­ziert nach Bedarf. Sind seine Stücke ausver­kauft, produ­ziert er neu. Neben den Upcycling-Stücken gehören Tuniken in afrika­ni­schen Mustern – die sogenannten Batakari - zu seinen Bestellern. Frauen tragen sie häufig als Kleid. Er lässt sie in Ghana in tradi­tio­nellen Webereien produ­zieren. So verschmelzen europäische und afrika­nische Einflüsse zu einer neuen spannenden und höchst attrak­tiven Melange.

Ayivi trägt gerne auffällige Ringe.

Seine Stilsi­cherheit hat er von seinem Vater geerbt. „Mein Vater ist meine größte Inspi­ration. Er war elegant, trug tradi­tio­nelle Gewänder ebenso selbst­ver­ständlich wie Anzüge mit Hüten.“ Seine Familie gehörte zur Mittel­schicht in Togo und noch immer fährt Amah Ayivi gerne in sein Heimatland. „Togo inspi­riert mich“. Er mag vor allem den Streetstyle, denn die meisten Menschen haben dort nicht viel Geld und kreieren aber auf höchst kreative Weise mit einfachen Mitteln ihren eigenen Look. Aber er bringt auch von Reisen in andere Länder wie Ghana, Japan und USA Ideen für seine Mode mit.

Typisch für sein Label Marché Noir sind übrigens Shirts und Jacken mit Sicher­heits­nadeln. Sie waren und sind ein Symbol gegen Rassismus. Auch deswegen wird sein Label wird besonders gerne von schwarzen Kunst­schaf­fenden, Musikern und Musike­rinnen wie Neneh Cherry und Rapper Saul Williams getragen. Der deutsche Sternekoch Nelson Müller ist ebenfalls Fan der Brand.

Die Shirts und Jacken mit Sicher­heits­nadeln sind ein Symbol gegen Rassismus.

Neben seiner Modemarke betreibt Amah Ayivi mit jungen Talenten etwa aus Kunst, Mode und Musik auch noch die Kreativ­agentur und Beratung „Noble Soul Men“. Darüber hinaus ist Amah seit mehr als zwei Jahrzehnten ein gefragter Stylist. Und so fließen seine Ideen in die unter­schied­lichsten kreativen Bereiche. Den Beratungs­be­reich möchte er künftig noch weiter ausbauen.

Wir sind sicher – von Amah Ayivi werden wir auch in Deutschland noch viel hören und sehen.

https://marchenoirlomeparis.com/