„Es braucht neue Wege, um Schwellenängste zur Kunst abzubauen“

„Es braucht neue Wege, um Schwellenängste zur Kunst abzubauen“ 1365 2048 Verena Liebeck
#behind­the­s­cenes

„Es braucht neue Wege, um Schwellenängste zur Kunst abzubauen“

11. März 2022

Anna Schwan will mit Meet Frida Künstlern und Künst­le­rinnen zu mehr Sicht­barkeit verhelfen und sieht in virtu­eller Kunst großes Potential.

Frau Schwan, Sie haben mitten in der Pandemie 2020 Ihre Initiative MeetFrida gegründet. Was war der Hintergrund? 

Anna Schwan: MeetFrida entstand als Initiative, um Kunst­schaf­fenden während der Corona-Pandemie mehr Sicht­barkeit zu verschaffen. Museen und Galerien waren geschlossen und es gab kaum Möglich­keiten, Kunst zu erleben. Daher fingen wir an, Kunst­werke auf großfor­ma­tigen Plakaten zu zeigen und schickten Menschen auf sogenannte Art Walks. Heute reprä­sen­tiert die MeetFrida Foundation mehr als 70 Künstler:innen und verbindet die Online-Galerie www.meetfrida.art mit künst­le­ri­schen Inter­ven­tionen im öffent­lichen Raum.

Was steckt hinter dem Namen? 

AS: Frida Kahlo ist eine Stilikone, ein Symbol weiblicher Kreati­vität und Autonomie – ein Vorbild für viele Künstler:innen. Ihre Werke werden in den großen Museen weltweit ausge­stellt, ihre Lebens­ge­schichte steht für den harten Weg, den Künstler:innen bis heute in der (Kunst-)welt gehen. Gerade zu Zeiten von Corona.

Sie vertreten über 70 Kunst­schaf­fende: Nach welchen Kriterien suchen Sie sie für das Netzwerk aus?

AS: Künstler:innen können sich bei uns über einen Open Call bewerben. Eine Jury von Kunstexpert:innen evaluiert dann alle 4-6 Wochen die Neuan­mel­dungen und wir entscheiden, wer aufge­nommen wird. Für die Teilnahme am Open Call gibt es nur wenige Voraus­set­zungen, zum Beispiel benötigen die Künstler:innen ein Empfeh­lungs­schreiben eines Kurators, Professors oder Sammlers und müssen mindestens ein Werk einreichen, das weniger als 500 Euro brutto kostet. Generell sind wir auf der Suche nach junger, contem­porary Kunst, mit spannenden Sicht­weisen auf unter­schied­lichste Themen. Dabei legen wir uns jedoch nicht auf ein Medium fest.

Was hat Sie an der Arbeit von Ju Schnee fasziniert?

AS: Ju Schnee ist aus unserer Sicht eine der spannendsten jungen Künst­le­rinnen in Deutschland mit einer sehr hohen Eigen­stän­digkeit und Moder­nität. Sie war eine der ersten Künstler:innen bei MeetFrida und ihr multi­me­dialer Ansatz hat uns schon früh beein­druckt. Ihr Verständnis für unter­schied­liche Medien und ihr einzig­ar­tiger Stil setzt sie von anderen Künstler:innen ab.

Wie schätzen Sie die Entwicklung virtu­eller Kunst ein?

AS: Wir waren uns früh bewusst, dass es neue Wege braucht, um Schwel­len­ängste zur Kunst abzubauen und neue Wege der Parti­zi­pation zu schaffen. Daher haben wir uns mit der virtu­ellen Ausstellung von Kunst­werken beschäftigt und dies sowohl in unserer Online-Galerie aber auch über Projekte wie Augmented Reality Ausstel­lungen umgesetzt. Hier liegt großes Potenzial, um Kunst­neu­linge abzuholen. Und auch das letzte Jahr hat gezeigt, dass virtuelle und digitale Kunst immer mehr zum Mainstream-Thema wird. NFT Art war bis vor kurzem kaum ein relevantes Thema, doch spätestens seit der Rekord­ver­stei­gerung eines NFT-Kunst­werks über das Aukti­onshaus Christie’s ist das neue Medium in aller Munde. Für uns bietet das eine Vielfalt spannender Möglichkeiten.