Die Wortgranate: Sven Kamin zeigt als Slam-Poetry-Künstler sein ganzes Können beim Inter/Wall Festival im Namen der Demokratie

Die Wortgranate: Sven Kamin zeigt als Slam-Poetry-Künstler sein ganzes Können beim Inter/Wall Festival im Namen der Demokratie 1708 2560 Verena Liebeck
#kunst­i­mal­tenwall

Die Wortgranate: Sven Kamin zeigt als Slam-Poetry-Künstler sein ganzes Können beim Inter/Wall Festival im Namen der Demokratie

21.08.2026

Parallel zu einer Projektion am Haus der Bürger­schaft am Alten Wall 38 tritt eine der profi­lier­testen Stimmen der Poetry-Slam-Szene am 11.9.2026 ab 19.45 Uhr an der Fleet­seite auf.

Wie viele Worte kann man in drei Minuten 23 Sekunden packen? Nun, wenn man Sven Kamin ist, sehr, sehr viele. Und weil er seinen Text zu „Roboter“ so schnell vortrug, schafften wir es auch nicht mitzu­zählen. Am Ende ist ohnehin nur das Ergebnis entscheidend: ein großar­tiger Text, der ihn zum Vize-Weltmeister beim globalen UNESCO „Slamo­vision 2025“ in Dublin machte. Mehr Punkte von den inter­na­tio­nalen Jurys erhielt nur ein Amerikaner.

Seit Sven Kamin 2008 über sein Englisch-Studium  Poetry Slams für sich entdeckt hat, ist er zu einem der bekann­testen Wort-Artisten in diesem spezi­ellen Literatur-Genre geworden. Er hat viele Preise mit seinen Texten gewonnen, die mal leise, mal laut oder auch mal quatschig sein können. „Es liegt mir, solche Minidramen zu schreiben, und ich konnte damit wieder auf die Bühne“, erzählt der gebürtige Bremer. Während des Studiums spielte er nämlich nebenbei am Theater und verfasste auch kabaret­tis­tische Stücke. Doch mit Beginn des Berufs­lebens konnte er die Zeit dafür nicht mehr aufbringen. Als Slam-Poetry-Künstler kann er jedoch seine Zeit flexibel einteilen, die Anzahl der Bühnen­auf­tritte perfekt dosieren und auf das Famili­en­leben abstimmen.

Menschen unter­schied­licher Meinungen durch Slam-Poetry-Texte abholen

Erfunden hat den Poetry Slam übrigens 1986 ein Ameri­kaner – Mark Kelly Smith. Ihm waren klassische Litera­tur­le­sungen einfach zu lang und lahm. Er legte fest: Keiner darf mehr als drei – in Deutschland fünf - Minuten reden und jeder muss sich dem Wettbewerb und dem Urteil des Publikums stellen. Smith traf damit einen Nerv.

Das Genre regt Kamin selbst aber auch alle im Publikum dazu an, sich zu fragen: „Was ist eigentlich eine gelungene Literatur-Perfor­mance? Man kann sich an der Wertung des Publikums reiben, aber man hat auch immer eigene Vorstel­lungen davon, was ein guter Text ist.“

Auch wenn einige Stand-up-Comedians wie Till Reiners bei Poetry Slams angefangen haben und Sven Kamin sogar mit ihnen aufge­treten ist, sind die Texte so vielfältig wie die Auftritte. „Es ist wie beim Wrestling, es gibt die Bambis oder die Gorillas – übrigens unabhängig vom Geschlecht“, lacht Sven Kamin. Er selbst kann sowohl laut als auch eindringlich leise sein, etwa bei einem Text über seine Oma, die als Flüchtling einst nach Deutschland kam.

Im Auftrag der Bürger­schaft tritt Sven Kamin nun auch beim Inter/Wall Festival auf. Sein Text „Deutschland, was geht?“ beleuchtet die verschie­denen Meinungen zu unserem Land. Er nennt ihn selbst einen „Mutmach-Text“, möchte damit aufrütteln und Menschen dazu bewegen, „gemeinsam den A**** hochzu­kriegen. Wir haben so viel Freiheit, wir können jederzeit Demos anmelden und werden dann sogar noch von der Polizei beschützt. Freiheit bedeutet auch, etwas aufzu­bauen und nicht nur kaputt­zu­hauen“, so Kamin.

Mit seiner Art schafft er es immer wieder, auch Menschen abzuholen, die völlig anderer Meinung sind als er. Slam-Poetry-Texte können also auch verbinden.

Auch bei seinen Mitsing-Abenden mit „Die Phase Cäsar“ in seinem Wohnort Wedel bringt er sehr unter­schied­liche Menschen zusammen. „Wer singt, streitet sich nicht“, so seine Quintessenz.

Schöne Erfah­rungen machte er auch bei Workshops in Schul­klassen. Dort erzählt er von seinen Erfah­rungen, und danach bekommen die Schüler und Schüle­rinnen zwei Stunden Zeit, einen Text ganz nach ihrer Präferenz zu schreiben. Das kommt unheimlich gut an, und die Schüler und Schüle­rinnen gehen am Ende happy nach Hause.

Mit seinem aktuellen Haupt­beruf schließt sich übrigens ein Kreis. Denn der gelernte Journalist ist Teil des Kommu­ni­ka­ti­ons­teams des Light­house Wissen­schafts­er­leb­nis­zentrum am weltweit größten Röntgen­laser European XFEL in Schenefeld. Das Zentrum vermittelt etwa durch inter­aktive Exponate und Multi­media, wie die Forschung zur Lösung gesell­schaft­licher Heraus­for­de­rungen beiträgt. Und Schul­klassen sind auch sehr willkommen. Denn im Xcool Lab können Schüler in einem Physik- und einem Moleku­lar­bio­logie-Labor selbst­ständig Experi­mente zu verschie­denen Themen durchführen.

Wir sind ganz sicher, dass Sven Kamin auch in seinem Hauptjob eine Wortgranate ist.

Weitere Infos:
https://svenkamin.de/
https://www.youtube.com/watch?v=bf7_C5Mdl6o
Instagram: @svensationen

Der Künstler tritt im Auftrag der Bürger­schaft am 11.9.2026 kostenfrei zur Eröffnung des Inter/Wall Festivals am Alten Wall 38 (Fleet­seite vom Haus der Bürger­schaft) ab 19.45 Uhr zweimal auf.

Weitere Infos zum Festival:
https://www.alter-wall-hamburg.de/inter-wall-festival-2026/