Geschichten über Braukunst: Brauerin Lisa vom Brauhaus Joh. Albrecht erzählt beim Inter/Wall Festival unterhaltsam über die Welt besonderer Biere

Geschichten über Braukunst: Brauerin Lisa vom Brauhaus Joh. Albrecht erzählt beim Inter/Wall Festival unterhaltsam über die Welt besonderer Biere 2560 1707 Verena Liebeck
#kunst­i­mal­tenwall

Geschichten über Braukunst: Brauerin Lisa vom Brauhaus Joh. Albrecht erzählt beim Inter/Wall Festival unterhaltsam über die Welt besonderer Biere

06.09.2026

Am 15. September ab 15 Uhr gibt es stündlich Unter­halt­sames und Wissens­wertes über Bier und natürlich auch eine Probierbar

Die pinken Gummi­stiefel neben den Braukesseln unweit der Bar im Hamburger Brauhaus Joh. Albrecht fallen direkt ins Auge. Und eine Geschichte dazu gibt es natürlich auch. Lisa, Brauerin im beliebten Brauhaus am Alten Wall, hat viel zu erzählen. Denn sie hat schon einiges erlebt. Die Idee, Brauerin zu werden, „kam mir beim Feiern“. Damals lebte Lisa in München und wollte eigentlich Politik­wis­sen­schaft studieren. Doch bei einer Reise nach dem Abi durch Neuseeland merkte sie: „Ich brauche etwas mit Hand und Fuß.“ Besagte Feier mit befreun­deten Studenten des Brauwesens brachte die Erkenntnis. „Ich fand einfach, dass man das Brauwesen nicht nur Männern überlassen sollte.“

Über fünf Jahre auf Wanderschaft

Ihre Ausbildung absol­vierte sie an der Forschungs­brauerei der TU München. Es war ein kleines Unter­nehmen mit 13 Leuten, aber 10 Brautanks. Zum Vergleich: Beim Brauhaus Joh. Albrecht in Hamburg stehen 12 Brautanks. Ihr gefiel, dass kein Tag dem anderen glich. Auch die wissen­schaft­liche Seite inter­es­sierte sie. Nach ihrem Abschluss ging sie fünf Jahre auf Wander­schaft. Von Handwerkern kennt man das. Für eine Brauerin war es ein ungewöhn­licher Schritt. Und gleich­zeitig eine „Selbst­fin­dungs­reise“, wie sie erzählt. „Man kann heraus­finden, was man machen will und ob es der richtige Beruf ist.“ In fünf Betrieben arbeitete sie in dieser Zeit. Zusätzlich lernte sie die Arbeit von Winzern, einer Käserei und einer Rösterei kennen. Zuletzt arbeitete sie in einem Braube­trieb im Erzge­birge. Doch nach drei Jahren zog es sie zu ihrer Familie nach Hamburg.

Viel Raum für eigene Kreationen

Der Job beim Brauhaus Joh. Albrecht war für sie „ein Glücks­griff“. „Ich habe hier einen großen Gestal­tungs­rahmen.“ Der Raum, in dem in 12 Kesseln gebraut wird, wirkt super­clean und fast wie aus einem Science-Fiction-Film. Denn die Zeit der offenen Gärung ist längst vorbei. Ein- bis zweimal die Woche braut Lisa. Den größten Teil machen die Hausbiere Kupfer und Messing aus, die in vier bis fünf Tanks lagern. In zwei Tanks wird Weißbier gebraut, die restlichen Tanks sind für Spezi­al­biere vorge­sehen. Wie etwa das „Pink Boot Pale Ale“, das sie zusammen mit der Braukol­legin Anna von Block Bräu selbst kreiert hat. Beim Brauen stellten beide fest, dass sie noch keine Gummi­stiefel besaßen. Und so kamen die pinken Stiefel (Pink Boot) ins Spiel. Für die Spezi­al­biere schreibt Lisa die Rezepte und probiert neue Dinge aus. So nutzt sie zum Beispiel beim Witbier Rosmarin statt Koriander. Neu auf der Karte sind auch Spritz­ge­tränke wie Sarti Wit. Das Ziel dahinter ist klar: „Wir wollen auch jüngere Zielgruppen ansprechen.“

Dass weniger Bier getrunken wird, sieht sie eher gelassen. „Die Leute legen Wert auf quali­tativ hochwertige Produkte. Vielleicht wird weniger getrunken, aber dennoch nicht weniger ausge­geben“, so ihre Beobachtung.

In der Braukunst spielen Frauen heute noch immer eine kleine Rolle, mehr als fünf Prozent sind es nach Schät­zungen nicht. Dabei war das Brauen von Bier früher ein Frauen­beruf. Bis zum 16. Jahrhundert brauten Frauen zu Hause Bier, verkauften es an Gaststätten oder führten sogar selbst solche Betriebe. Gerade für Witwen oder allein­ste­hende Frauen war das Brauen eine gute Möglichkeit, eigenes Geld zu verdienen. Mit der Indus­tria­li­sierung, der Bildung von Zünften und dem Wachstum der Städte wurden neue Verord­nungen verab­schiedet und die Herstellung von Bier regle­men­tiert. Als Folge wurden Frauen aus dem Beruf gedrängt. Auch aufgrund dieser Geschichte holt sich Lisa gerne Kolle­ginnen zum Brauen dazu. Im nächsten Jahr will sie ihren Meister machen, wird aber weiter im Brauhaus arbeiten. „Es ist wichtig, am Zahn der Zeit zu bleiben.“ Sie kann sich auch gut vorstellen, einmal auszubilden.

Der Herbst bringt Festbiere 

Mit dem Herbst werden auch wieder Festbiere gebraut. Am 29. September ist Brauer-Silvester. Früher, als man noch nicht kühlen konnte, wurden zwischen März und September keine Biere gebraut. Mit dem Brauer-Silvester ging die Produktion dann wieder los. Die Feier ist trotz verän­derter Bedin­gungen geblieben. Im Januar 2027 wird das Brauhaus Joh. Albrecht nach vier Jahren Umbau­pause auch wieder dabei sein, den tradi­tio­nellen Senatsbock in Koope­ration mit anderen Braue­reien herzu­stellen. Dabei bringt jede Brauerei ihre eigene Note ein.

Der Herbst bringt Festbiere 

Mit dem Herbst werden auch wieder Festbiere gebraut. Am 29. September ist Brauer-Silvester. Früher, als man noch nicht kühlen konnte, wurden zwischen März und September keine Biere gebraut. Mit dem Brauer-Silvester ging die Produktion dann wieder los. Die Feier ist trotz verän­derter Bedin­gungen geblieben. Im Januar 2027 wird das Brauhaus Joh. Albrecht nach vier Jahren Umbau­pause auch wieder dabei sein, den tradi­tio­nellen Senatsbock in Koope­ration mit anderen Braue­reien herzu­stellen. Dabei bringt jede Brauerei ihre eigene Note ein.

Viel Zeit, Hamburg zu genießen, dürfte also nicht bleiben. Mit der Hanse­stadt verbindet sie ein beson­deres Verhältnis. Sie wurde hier geboren, wuchs dann aber in München auf. Ihre Ferien jedoch verbrachte sie häufig bei ihren Großeltern in Hamburg. „Hamburg ist für mich Heimat mit all seinen Facetten. Ich kann für mich hier überall ein Stück Zugehö­rigkeit zur Stadt wieder­finden.“ Wie schön, dass ein Teil dieser Zugehö­rigkeit auch am Alten Wall liegt.

Weitere Infos:

Geschichten über Braukunst im Rahmen des Inter/Wall Festivals: Am 15.9.2026 ab 15 Uhr, jeweils zur vollen Stunde. Lisa nimmt Euch mit auf die Reise durch die Welt beson­derer Biere – inklusive Verkostung am Alten Wall 38/Adolphsbrücke 7.

https://www.brauhaus-joh-albrecht.de/hamburg/