Geschichten über Braukunst: Brauerin Lisa vom Brauhaus Joh. Albrecht erzählt beim Inter/Wall Festival unterhaltsam über die Welt besonderer Biere
Am 15. September ab 15 Uhr gibt es stündlich Unterhaltsames und Wissenswertes über Bier und natürlich auch eine Probierbar
Die pinken Gummistiefel neben den Braukesseln unweit der Bar im Hamburger Brauhaus Joh. Albrecht fallen direkt ins Auge. Und eine Geschichte dazu gibt es natürlich auch. Lisa, Brauerin im beliebten Brauhaus am Alten Wall, hat viel zu erzählen. Denn sie hat schon einiges erlebt. Die Idee, Brauerin zu werden, „kam mir beim Feiern“. Damals lebte Lisa in München und wollte eigentlich Politikwissenschaft studieren. Doch bei einer Reise nach dem Abi durch Neuseeland merkte sie: „Ich brauche etwas mit Hand und Fuß.“ Besagte Feier mit befreundeten Studenten des Brauwesens brachte die Erkenntnis. „Ich fand einfach, dass man das Brauwesen nicht nur Männern überlassen sollte.“
Über fünf Jahre auf Wanderschaft
Ihre Ausbildung absolvierte sie an der Forschungsbrauerei der TU München. Es war ein kleines Unternehmen mit 13 Leuten, aber 10 Brautanks. Zum Vergleich: Beim Brauhaus Joh. Albrecht in Hamburg stehen 12 Brautanks. Ihr gefiel, dass kein Tag dem anderen glich. Auch die wissenschaftliche Seite interessierte sie. Nach ihrem Abschluss ging sie fünf Jahre auf Wanderschaft. Von Handwerkern kennt man das. Für eine Brauerin war es ein ungewöhnlicher Schritt. Und gleichzeitig eine „Selbstfindungsreise“, wie sie erzählt. „Man kann herausfinden, was man machen will und ob es der richtige Beruf ist.“ In fünf Betrieben arbeitete sie in dieser Zeit. Zusätzlich lernte sie die Arbeit von Winzern, einer Käserei und einer Rösterei kennen. Zuletzt arbeitete sie in einem Braubetrieb im Erzgebirge. Doch nach drei Jahren zog es sie zu ihrer Familie nach Hamburg.
Viel Raum für eigene Kreationen
Der Job beim Brauhaus Joh. Albrecht war für sie „ein Glücksgriff“. „Ich habe hier einen großen Gestaltungsrahmen.“ Der Raum, in dem in 12 Kesseln gebraut wird, wirkt superclean und fast wie aus einem Science-Fiction-Film. Denn die Zeit der offenen Gärung ist längst vorbei. Ein- bis zweimal die Woche braut Lisa. Den größten Teil machen die Hausbiere Kupfer und Messing aus, die in vier bis fünf Tanks lagern. In zwei Tanks wird Weißbier gebraut, die restlichen Tanks sind für Spezialbiere vorgesehen. Wie etwa das „Pink Boot Pale Ale“, das sie zusammen mit der Braukollegin Anna von Block Bräu selbst kreiert hat. Beim Brauen stellten beide fest, dass sie noch keine Gummistiefel besaßen. Und so kamen die pinken Stiefel (Pink Boot) ins Spiel. Für die Spezialbiere schreibt Lisa die Rezepte und probiert neue Dinge aus. So nutzt sie zum Beispiel beim Witbier Rosmarin statt Koriander. Neu auf der Karte sind auch Spritzgetränke wie Sarti Wit. Das Ziel dahinter ist klar: „Wir wollen auch jüngere Zielgruppen ansprechen.“
Dass weniger Bier getrunken wird, sieht sie eher gelassen. „Die Leute legen Wert auf qualitativ hochwertige Produkte. Vielleicht wird weniger getrunken, aber dennoch nicht weniger ausgegeben“, so ihre Beobachtung.
In der Braukunst spielen Frauen heute noch immer eine kleine Rolle, mehr als fünf Prozent sind es nach Schätzungen nicht. Dabei war das Brauen von Bier früher ein Frauenberuf. Bis zum 16. Jahrhundert brauten Frauen zu Hause Bier, verkauften es an Gaststätten oder führten sogar selbst solche Betriebe. Gerade für Witwen oder alleinstehende Frauen war das Brauen eine gute Möglichkeit, eigenes Geld zu verdienen. Mit der Industrialisierung, der Bildung von Zünften und dem Wachstum der Städte wurden neue Verordnungen verabschiedet und die Herstellung von Bier reglementiert. Als Folge wurden Frauen aus dem Beruf gedrängt. Auch aufgrund dieser Geschichte holt sich Lisa gerne Kolleginnen zum Brauen dazu. Im nächsten Jahr will sie ihren Meister machen, wird aber weiter im Brauhaus arbeiten. „Es ist wichtig, am Zahn der Zeit zu bleiben.“ Sie kann sich auch gut vorstellen, einmal auszubilden.
Der Herbst bringt Festbiere
Mit dem Herbst werden auch wieder Festbiere gebraut. Am 29. September ist Brauer-Silvester. Früher, als man noch nicht kühlen konnte, wurden zwischen März und September keine Biere gebraut. Mit dem Brauer-Silvester ging die Produktion dann wieder los. Die Feier ist trotz veränderter Bedingungen geblieben. Im Januar 2027 wird das Brauhaus Joh. Albrecht nach vier Jahren Umbaupause auch wieder dabei sein, den traditionellen Senatsbock in Kooperation mit anderen Brauereien herzustellen. Dabei bringt jede Brauerei ihre eigene Note ein.
Der Herbst bringt Festbiere
Mit dem Herbst werden auch wieder Festbiere gebraut. Am 29. September ist Brauer-Silvester. Früher, als man noch nicht kühlen konnte, wurden zwischen März und September keine Biere gebraut. Mit dem Brauer-Silvester ging die Produktion dann wieder los. Die Feier ist trotz veränderter Bedingungen geblieben. Im Januar 2027 wird das Brauhaus Joh. Albrecht nach vier Jahren Umbaupause auch wieder dabei sein, den traditionellen Senatsbock in Kooperation mit anderen Brauereien herzustellen. Dabei bringt jede Brauerei ihre eigene Note ein.
Viel Zeit, Hamburg zu genießen, dürfte also nicht bleiben. Mit der Hansestadt verbindet sie ein besonderes Verhältnis. Sie wurde hier geboren, wuchs dann aber in München auf. Ihre Ferien jedoch verbrachte sie häufig bei ihren Großeltern in Hamburg. „Hamburg ist für mich Heimat mit all seinen Facetten. Ich kann für mich hier überall ein Stück Zugehörigkeit zur Stadt wiederfinden.“ Wie schön, dass ein Teil dieser Zugehörigkeit auch am Alten Wall liegt.
Weitere Infos:
Geschichten über Braukunst im Rahmen des Inter/Wall Festivals: Am 15.9.2026 ab 15 Uhr, jeweils zur vollen Stunde. Lisa nimmt Euch mit auf die Reise durch die Welt besonderer Biere – inklusive Verkostung am Alten Wall 38/Adolphsbrücke 7.