Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit: „Das Parlament hat endlich einen zentralen Platz im Herzen der Stadt“

Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit: „Das Parlament hat endlich einen zentralen Platz im Herzen der Stadt“ 2560 1707 Verena Liebeck
#kunst­i­mal­tenwall

Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit: „Das Parlament hat endlich einen zentralen Platz im Herzen der Stadt“

27. März 2026

Martin Wolfrat (Art-Invest Real Estate) und Bürger­schafts­prä­si­dentin Carola Veit auf dem Dach vom Haus der Bürger­schaft mit Blick auf das Rathaus. Copyright: Hambur­gische Bürgerschaft/Constanze Schneider

Kurze Wege für Abgeordnete, Syner­gie­ef­fekte, langfristige Planungs­si­cherheit und moderne Arbeits­be­din­gungen sind nur einige der Vorteile, die das neue „Haus der Bürger­schaft“ bietet.

Am 1. April übergibt Art-Invest Real Estate das sogenannte Haus der Bürger­schaft am Alten Wall 38. Die Hambur­gische Bürger­schaft hat 2023 alle Büroetagen und Teile des Erdge­schosses langfristig angemietet. Auf ca. 9.850 m² werden im Sommer 2026 die Landtags­ver­waltung und die fünf Fraktionen unter ein Dach ziehen. Das Landes­par­lament reduziert damit seine Standorte auf drei zentrale und nahe beiein­ander gelegene Gebäude. Wir sprachen anlässlich der Übergabe des Gebäudes mit Bürger­schafts­prä­si­dentin Carola Veit.

Frau Veit, die Idee für ein Haus der Bürger­schaft gab es schon lange. Warum ließ sich der Plan erst jetzt realisieren?
Carola Veit: Ja, in der Tat, entspre­chende Überle­gungen gibt es seit 20 Jahren. Schon 2005 gab es einen Archi­tek­tur­wett­bewerb für die Bebauung des Domplatzes*, dem heutigen Hamma­burg­platz. Dort sollte ein modernes Gebäude entstehen, in dem neben der Landes­zen­trale für politische Bildung und den Bücher­hallen auch ein Bürger­schafts­forum Platz finden sollte. Die umstrittene Planung konnte sich nicht durch­setzen. Also mietete die Bürger­schaft für ihre Landtags­ver­waltung und die Fraktionen weiter je nach Bedarf Flächen an, die auf bis zu sechs Standorte in der Innen­stadt verteilt waren. Diese Lösung blieb aber unfle­xibel und unwirtschaftlich.
Deshalb hat die Bürger­schaft im November 2022, als etliche Bauvor­haben im unmit­tel­baren Umfeld des Rathauses in der Entwicklung waren, einstimmig beschlossen*, es nochmal anzugehen und ein geeig­netes Mietobjekt zu suchen.

Es gab beim Abschluss des Mietver­trages natürlich auch kritische Stimmen. Manche meinten, die Miete sei zu hoch und man hätte doch an den etablierten Stand­orten bleiben können. Was entgegnen Sie den Kritisierenden?
Carola Veit: Kritik gehört zur Demokratie, auch die öffent­liche Debatte gehört selbst­ver­ständlich dazu. Schließlich geht es hier auch um Steuer­gelder. Aber man darf die Fakten nicht verkennen. An den bishe­rigen Stand­orten hätten wir nicht auf Dauer bleiben können. Wir hatten bis zu sieben unter­schied­liche Mietver­träge; in jedem Objekt mussten immer erst unsere eigenen Daten­lei­tungen verlegt werden, der Arbeits­schutz einmal drauf­gucken und vieles mehr. Außerdem laufen mehrere der Verträge jetzt aus und hätten neu verhandelt werden müssen. Damit wären deutliche Preis­stei­ge­rungen zu erwarten gewesen – man kann also nicht einfach behaupten, die jetzigen Kondi­tionen würden weiter gelten. Alle Mietob­jekte sind zudem sanie­rungs­be­dürftig und entsprechen nur bedingt modernen Bürokonzepten.
Im Übrigen hat sich die Bürger­schaft die Entscheidung nicht leicht gemacht, sondern eine umfang­reiche Wirtschaft­lich­keits­be­trachtung erstellen lassen. Die Anmietung am Alten Wall hatte nach dieser Unter­su­chung den höchsten Gesamt­nutzwert. Die Kosten­ri­siken sind maximal minimiert. Durch die verein­barte Staffel­miete haben wir eine komplette Kosten­si­cherheit und Trans­parenz. So können wir 30 Jahre verbindlich planen.
All das können alle Bürger:innen in den Plenar­pro­to­kollen und in der Drucksache22/12000* nachlesen. Selbst­ver­ständlich ist auch der Mietvertrag im Trans­pa­renz­portal der Stadt Hamburg* veröffentlicht.

*Textpas­sagen sind mit weiter­füh­renden Links hinterlegt

Besich­tigung der Baustelle vor einigen Wochen: Martin Wolfrat (Art-Invest Real Estate), Bürger­schafts­prä­si­dentin Carola Veit und Johannes Düwel (Direktor der Bürger­schaft). Copyright: Hambur­gische Bürgerschaft/Constanze Schneider

Sie haben ein Bestands­ge­bäude gewählt, das komplett saniert wurde. Welche Vorteile hat das für die Stadt und die Arbeit der Fraktionen und die Verwaltung?
Carola Veit: Wir haben im Rahmen einer umfang­reichen Nutzwert­analyse auch zwei Neubau­pro­jekte in Rathausnähe unter die Lupe genommen. Den höchsten Gesamt­nutzwert hatte die Anmietung im Alten Wall 38. Die Gebäu­de­struktur ist ideal für unsere Zwecke, weil sie alle Etagen doppelt erschließt und damit eine optimale Aufteilung ermög­licht. Durch den Einbau moderner Haustechnik und die Anpassung an aktuelle energe­tische Standards werden gegenüber den aktuell gemie­teten Flächen zukünftig geringere Betriebs- und Neben­kosten erwartet.
Das Gebäude wird nach LEED gold zerti­fi­ziert und entspre­chend positiv auf die Klima­schutz­ziele Hamburgs einzahlen. Angelegt werden dabei die Maßstäbe für einen Neubau, obwohl es sich in der Haupt­sache um die Revita­li­sierung eines Bestands­ge­bäudes handelt.

Inwieweit wird es die Arbeit des Landes­par­la­ments und Fraktionen erleichtern, nur wenige Schritte vom Rathaus entfernt zu sein?
Carola Veit: Für die rund 270 Mitar­bei­tenden der Fraktionen und der Bürger­schafts­kanzlei schaffen wir in unmit­tel­barer Nähe des Rathauses moderne, nachhaltige und weitgehend barrie­re­freie Arbeits­plätze. Im „Haus der Bürger­schaft“ ergeben sich Syner­gie­ef­fekte in der Zusam­men­arbeit bisher getrennter Verwal­tungs­ein­heiten und der Fraktionen. Kurze Wege für Abgeordnete und deren Hilfs­kräfte, Frakti­ons­mit­ar­bei­tende und Mitar­bei­te­tende der Bürger­schafts­kanzlei zwischen Rathaus und neuem „Haus der Bürger­schaft“ stärken unsere Arbeit für ein bürger­ori­en­tiertes Hamburg. Nebenbei teilen wir den Kultur­wandel in der Verwaltung, ganz im Sinne der Digitalen Stadt: Bewährte Konzepte werden beibe­halten, innovative Methoden helfen, die komplexen Heraus­for­de­rungen der Zukunft angemessen anzugehen.

Worauf freuen Sie sich persönlich besonders beim zentralen Haus der Bürger­schaft?
Carola Veit:
Ich freue mich, dass wir uns nach Jahrzehnten jetzt auf der Zielge­raden befinden und das Projekt sowohl vom Etat- als auch vom Zeitplan im Rahmen liegt. Das Parlament hat endlich einen zentralen Platz im Herzen der Stadt. Hier wird Demokratie zum Gelingen gebracht.

Weitere Infor­ma­tionen:

Haus der Bürger­schaft - Landes­par­lament an einem zentralen Ort - Hambur­gische Bürgerschaft