Fee Schlennstedt: „Wir werden in internationalen Musikerkreisen inzwischen als einer der besten Jazzclubs weltweit gehandelt“

Fee Schlennstedt: „Wir werden in internationalen Musikerkreisen inzwischen als einer der besten Jazzclubs weltweit gehandelt“ 2560 1920 Verena Liebeck
#behind­the­s­cenes

Fee Schlennstedt: „Wir werden in internationalen Musikerkreisen inzwischen als einer der besten Jazzclubs weltweit gehandelt“

21.Januar 2026

Am 22. Januar startet der Nica Jazz Club ins neue Jahr mit vielen neuen Höhepunkten der Jazz-Szene.

Seit über einem Jahr sorgt der neue Nica Jazz Club in der Innen­stadt für Furore – mit weltweiten Stars, großar­tigen Nachwuchs­mu­sikern und einer einma­ligen Atmosphäre. Wir sprachen mit Fee Schlenn­stedt, Betrei­berin und Mitin­ha­berin des renom­mierten Jazzclubs am Alten Wall, über die Heraus­for­de­rungen des Anfangs, das Feedback, die eigene Residence Big Band und Pläne für einen Freun­des­kreis für Stammgäste.

Sie sind im November 2024 mit dem Jazz-Club am Alten Wall an den Start gegangen. Wenn Sie Ihr erstes Jahr mit einem Wort beschreiben müssten – welches wäre es?

Fee Schlenn­stedt: Unbeschreiblich.

Was waren die größten Heraus­for­de­rungen und wie haben Sie sie gelöst?

Fee Schlenn­stedt: Die Ausbau­phase mit gravie­renden Verzö­ge­rungen hat uns in enorme Schwie­rig­keiten gebracht. Aber wir hatten in dieser Phase keine Wahl mehr und mussten durch­ziehen. Den Innen­ausbau dann in nur zwei Monaten zu reali­sieren, war eine Mammut­aufgabe. Wir hatten ein unfassbar tolles Team – bestehend aus Architekt:innen, Innen­de­si­gne­rinnen, Tontech­nikern, Bühnen­bauern und vielen weiteren Menschen –, die alle für diese „gute Sache“ einge­sprungen sind und das Unmög­liche möglich gemacht haben, sodass wir im November entgegen aller Erwar­tungen doch noch eröffnen konnten.

Anfänglich war es auch ein großes Problem, dass die Gäste uns nicht gefunden haben, da der Club unein­sehbar und versteckt hinter dem Bucerius Kunst Forum liegt. Inzwi­schen wissen viele jedoch, wo wir uns befinden. Leider ist es uns nicht erlaubt, am Alten Wall eine bessere Sicht­barkeit herzu­stellen. Unsere diesbe­züglich einge­reichten Werbe­kon­zepte wurden bisher abgelehnt, was wirklich bedau­erlich ist, da uns dadurch viel Laufpu­blikum entgeht. Wir hoffen, dass sich das zukünftig besser regeln lassen wird.

Es war immer Ihr Traum, einen eigenen Club zu haben. Empfinden Sie das immer noch so?

Fee Schlenn­stedt: Ohne Frage: ja. Aber – wie das immer so ist – mit einer so großen Verant­wortung gehen auch Belas­tungen und Ängste einher, die manchmal erdrü­ckend sein können. Mein Leben vor dem Club war ein anderes, freieres. Ich vergleiche es gerne mit einem Kind, das man sich sehnlichst wünscht: Wenn es da ist, liebt man es unsterblich, aber manchmal verflucht man es eben auch und wünscht sich sein ruhiges Leben ohne Kind zurück. Aber missen möchte man sein Kind nicht – und ich den Club nicht.

Wie hat Sie die Musik­szene in Hamburg aufgenommen?

Fee Schlenn­stedt: Seit der Eröffnung im November 2024 hat sich der Club als feste Adresse in der Jazz-Stadt Hamburg etabliert. Der Start hätte nicht besser laufen können. Die Gäste mögen den Club offen­sichtlich sehr. Inzwi­schen haben wir bereits zahlreiche Stamm­gäste, von denen einige – ohne Übertreibung – manchmal viermal pro Woche kommen. Das ist überwältigend.

Die Musiker sind extrem begeistert vom Club und loben die tolle Atmosphäre, die sehr gute Akustik und unser großar­tiges Publikum. Wir werden in inter­na­tio­nalen Musiker­kreisen inzwi­schen als einer der besten Jazzclubs weltweit gehandelt. Besser hätte es also nicht kommen können.

Auch die Kolleg:innen sind – nach anfäng­licher Skepsis, wie ich hörte – inzwi­schen entspannt mit uns. Wir sehen uns selbst als Teil einer Szene, in der diese Art von Club zuvor nicht existierte und in der wir eine Ergänzung bieten. Wir sind sehr gut mit allen anderen Akteuren in der Stadt vernetzt und pflegen ein koope­ra­tives Miteinander.

Wie einfach oder schwer ist es, Stars wie Stacey Kent oder Joey Calde­razzo in Ihren Club zu bekommen?

Fee Schlenn­stedt: Das ist tatsächlich sehr leicht und meine kleinste Heraus­for­derung. Zwei Telefonate oder Mails, dann ist meist alles geklärt. Mein Netzwerk und die langjährige Zusam­men­arbeit mit Agenturen und Musiker:innen sind sehr gefestigt und machen das möglich.

Sie haben zum Start gesagt, dass Sie auch Künstler:innen aus Hamburg Auftritts­mög­lich­keiten geben wollen. Halten Sie daran fest?

Fee Schlenn­stedt: Unbedingt! Es ist uns ein extrem großes Anliegen, Hamburger Musiker:innen einzu­binden. Ich würde sehr gerne auch viel öfter Hamburger Nachwuchskünstler:innen einladen. Die Größe des Clubs und die Kosten machen das leider oft schwierig, aber ich arbeite an Lösungen dafür.

Dennoch haben wir immer wieder Hamburger Musiker:innen im Programm. So tritt am 17. Februar 2026 Debby Smith bei uns auf – eine Hamburger Musikerin, von der viele vermutlich gar nicht wissen, dass sie in der Stadt lebt und die in meinen Augen inter­na­tio­nales Potenzial hat.

Seit Januar ist außerdem die JazzWerk Big Band unsere Residence Big Band – ganz in der Tradition eines Village Vanguard in New York. Die Band spielt regel­mäßig bei uns, besteht aus Musiker:innen der freien Hamburger Szene und reprä­sen­tiert die Vielfäl­tigkeit der hiesigen Musik­land­schaft. Ihre Konzerte sind sensa­tionell, die Stimmung an diesen Abenden immer großartig – zumal dann auch viele Hamburger (Nachwuchs-)Musiker:innen im Publikum sind. Das freut mich sehr.

San Glaser mit ihrer Band ist ebenfalls regel­mäßig bei uns zu Gast; ebenso Volkan Baydar, Stephanie Lotter­moser sowie Bands wie RSxT oder Cosmic Latte. Auch Axel Zwingen­berger spielt wieder­kehrend im Nica.

Einige Menschen trauen sich nicht so recht an Jazz heran. Welche Konzerte sind in nächster Zeit auch für Jazz-Einsteiger:innen geeignet?

Fee Schlenn­stedt: Ich sage das immer wieder gern: Jeder mag Jazz. Die meisten wissen nur nicht, was Jazz alles sein kann – und wo Jazz überall drinsteckt. Manche hören Jazz und wissen gar nicht, dass es Jazz ist.

Wir haben zudem auch Soul-, Funk-, Blues- und Bluesrock-Konzerte im Programm – da ist für jeden etwas dabei. Zum Einstieg empfehle ich die Butterfunk Family (10.02.): großar­tiger Funk mit richtig guter Laune. An solchen Abenden wird bei uns oft ausgiebig getanzt – und das ist ausdrücklich erwünscht.

Am 14. Februar tritt die wunder­volle Sängerin Fola Dada mit einer tollen Mischung aus Soul und Jazz bei uns auf. Ebenfalls sehr geeignet sind die Konzerte mit Viktoria Tolstoy & Jacob Karlzon (21.02.), Lisa Bassenge (24.02.) oder Jeff Cascaro (26.02.).

Welches Ereignis hat Ihr erstes Jahr besonders geprägt?

Fee Schlenn­stedt: Es gab sehr viele tief bewegende Momente. Einer der ganz beson­deren war sicher der, als Dee Dee Bridge­water nach ihrem Konzert vor mir stand, mir tief in die Augen sah, meine Hände nahm, mich umarmte und sagte:
„Du hast hier etwas Einzig­ar­tiges geschaffen. Dieser Club und die ganze Atmosphäre sind unver­gleichlich. Vergiss nie, was du geschafft hast, und sei stolz darauf.“

Das war vier Wochen nach der Eröffnung und das erste Mal, dass mir nach unvor­stellbar stress­vollen Monaten bewusst wurde, dass der Club nun tatsächlich geboren und im Betrieb war. Dee Dee Bridge­water wird übrigens 2026 für zwei Konzerte zurückkommen.

Highlights sind aber auch die Momente, wenn Gäste zu mir kommen und einfach sagen: „Danke, dass es euch gibt und ihr dieses tolle Programm macht.“ Oder: „Danke, dass ihr diesen Club in Hamburg eröffnet habt – jetzt muss ich nicht mehr nach New York fahren.“ Das ist immer wieder bewegend und gibt Mut und Kraft.

Und auch das war ein beson­derer Moment: als ich mir das erste Mal ein paar Tage frei nehmen konnte und meine beiden Kolle­ginnen mich vertreten haben. Es war unbeschreiblich schön, kurz Luft holen zu können und zu wissen, dass ich mich auf so tolle Mitar­bei­te­rinnen verlassen kann.

Werden Sie im zweiten Jahr Änderungen vornehmen? Wenn ja, welche?

Fee Schlenn­stedt: Wir wollen langfristig einer der weltweit schönsten und musika­lisch attrak­tivsten Clubs sein – ein Ort, den Menschen besuchen, auch wenn sie das Programm oder den auftre­tenden Künstler nicht kennen. Einfach, weil sich herum­ge­sprochen hat, dass jedes Konzert bei uns ein echtes Highlight ist und sich Gäste wie Musiker:innen gleicher­maßen wohlfühlen.

Geplant ist zum Beispiel die Einführung unseres Freun­des­kreises. Es gibt bereits sehr viele Stamm­gäste, und der Freun­des­kreis wird Vergüns­ti­gungen und Vorteile für Mitglieder bieten. Außerdem möchten wir bald Merch-Artikel rund um den Club anbieten. Zuletzt haben wir intensiv an der Umsetzung des Online-Gutschein­ver­kaufs gearbeitet. Bisher waren Gutscheine nur im Club erhältlich, seit Ende Dezember können diese nun endlich auch online erworben werden.

Wir befinden uns immer noch in der Aufbau­phase, auch wenn es sich nicht danach anfühlt. Wir stehen erst am Anfang und arbeiten weiter an Prozessen, Abläufen und Themen, die wir verbessern oder neu umsetzen wollen. Wir haben noch sehr viel vor!

Wenn das Universum Ihnen einen Wunsch erfüllen würde – welcher wäre das?

Fee Schlenn­stedt: Eines Tages steht ein Hamburger Mäzen oder eine Hamburger Mäzenin vor der Tür und ermög­licht es uns, dauerhaft drei weitere Mitarbeiter:innen einzu­stellen. Dann würde ich erst einmal eine Woche durchschlafen …

Weitere Infos zum Programm und Club:

https://nica-jazzclub.de/de